Der Leichenverbrenner

„Niemand wird leiden. Herr Kopfrkingl kümmert sich darum.“

Der Leichenverbrenner

Endlich hat man frei und wie mit Absicht gießt es, dass man nicht einmal einen Hund vor die Tür jagen würde. Das richtige Wetter für ein faules Wochenende im Bett mit einem Buch in der Hand. Das ist nichts für Sie? Wunderbar. Es gibt nämlich Orte, die direkt nach trübem Wetter schreien. Kommen Sie und fürchten Sie sich nicht. Herr Kopfrkingl begleitet Sie auf den Spuren des Leichenverbrenners. Die Kathedrale des Todes hat geöffnet.

Die stillen und erhabenen Räume des Krematoriums in Pardubice, in dessen Innenräumen und Außenanlagen sich ganze Passagen des Leichenverbrenners abspielen, sind bestens geeignet, eine frostige und makabere Atmosphäre zu schaffen. Nehmen Sie anstelle eines Reiseführers das Buch von Ladislav Fuks, das als Vorlage für den Film diente, in die Hand und treten Sie ein. Lauschen Sie aufmerksam. Sie werden das Echo von Schritten der Verstorbenen hören. Und ein Flüstern. Was genau? „Der Tod verbindet, menschliche Asche macht keinen Unterschied.“ Waren das nicht die Worte von Herrn Kopfrkingl, als er mit eisiger Ruhe seinen Sohn Mili in den Sarg zu dem toten SS-Mann legte?

Leichenverbrennung, Asche, Tod. Das stand bei dem rechtschaffenen und aufopferungsvollen Angestellten des Prager Krematoriums täglich auf der Tagesordnung. Für ihn Berufung und Fluch zugleich. Folgen Sie seinen Spuren an Orte, wohin er jeden Tag ging und wohin er auch seine Tochter Zina mitnahm. Die Atmosphäre wird immer beklemmender, es ist, als kühle es sich ab. Man kann nicht einhalten, es ist zu verlockend, weiter zu gehen. Der Tod hat etwas Hypnotisches. Passen Sie auf, dass Sie nicht in seine Fänge geraten, so wie Herr Kopfrkingl in die der nationalsozialistischen Ideologie. Schon wieder hört man Herrn Kopfrkingl seine geliebten Phrasen vor sich hin murmeln: „Der Tod ist das einzig Gewisse im Leben.“ Da läuft es einem eiskalt den Rücken runter.

Der Raum scheint sich zu verjüngen, es ist nur eine optische Täuschung, trotzdem wird einem schwindlig. Lieber raus hier. Tief Luft holen, damit man nicht verrückt wird. Der Grat zwischen Realität und Fiktion ist sehr schmal. Ein kleiner Spaziergang über den Friedhof hat noch niemandem geschadet. Wenn Sie am Grab der in beiden Weltkriegen Gefallenen vorbeigehen, denken Sie an die zauberhafte Lakmé, die jüdische Wurzeln hatte. Und an die Schicksale der Menschen gleichen Glaubens, die denjenigen zum Opfer fielen, mit denen Herr Kopfrkingl kollaborieren wollte. Aber das reicht für heute. Belohnen Sie sich für die überstandenen Strapazen mit traditionellem Teegebäcksorten, deren Namen den Sinn der Tschechen für schwarzen Humor beweisen: Möchten Sie ein Kränzlein oder ein Särglein?

 
Regie Juraj Herz
Schauspieler Rudolf Hrušínský, Vlasta Chramostová, Jana Stehnová, Miloš Vognič, Ilja Prachař, Zora Božinová, Eduard Kohout
Herkunftsland des Films Tschechoslowakei
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